El Taray ‘26 - Teil 2: Der Beginn einer Privatsafari

Der nächste Morgen sah schon deutlich verheißungsvoller aus als der verregnete Vortag. Das Frühstück war im Hotelpreis nicht enthalten, konnte aber für überschaubare 8€ nachgebucht werden. Punkte sammelte Los Coronales bei mir spätestens mit der Bereitstellung von heißer Milch und Kakaopulver.

Blick über Madrid Richtung Flughafen

Der Frühstücksraum

“Förderbandtoaster”, heiße Milch und Kakaopulver - der Morgen war gerettet!

Nach dem Auschecken hatte ich noch knapp vier Stunden Zeit bis zur Abholung durch Herrn Bittenbender. Bei dem sonnigen, wenn auch etwas frischen Wetter setzte ich mich solange auf eine Parkbank in der Nähe des Hotels. Zeit genug, um sich das eigentliche Ziel der Reise vor Augen zu führen.

 

Meine Unterkunft für die nächsten Tage lag in Villacañas, einer Kleinstadt mit knapp 10.000 Einwohnern - etwa 120 Kilometer südlich von Madrid in der Region Kastilien-La Mancha.

 

Etwa 15 km vom Hotel entfernt liegen die Hides de El Taray. Es handelt sich um ein 1.100 ha großes Privatgelände, auf dem sich 26 Ansitzhütten für die Vogelfotografie befinden. Sie sind über das Gelände verstreut und bieten die unterschiedlichsten Vogelarten. Im täglichen Pendelverkehr zwischen Hotel und der Lagunenlandschaft war geplant, einzelne, von Nature-Fineart vorgebuchte Fotoverstecke jeweils für einen halben Tag in Beschlag zu nehmen und die Vogelwelt Spaniens zu erkunden.

Pünktlich um 12:00 Uhr erschien Herr Bittenbender in einem geräumigen Kombi. Wie sich herausstellte, war ich der einzige Gast für diese Tour - die Privatsafari konnte beginnen!

Unterwegs legten wir eine kleine Mittagspause in einem Restaurant am Wegesrand ein. In Villacañas angekommen, bezogen wir das Hotel Hostal Prickly. Es war sehr sauber und aufgeräumt. Mein Zimmer hatte eine ausreichende Größe. Etwas ungünstig war die direkte Nähe zum Bahnhof, durch den nachts Güterzüge mit allerlei Fanfaren rauschten. Gehörstöpsel machten der Show ein Ende.

Hostal Prickly

In einem nahegelegenen, sehr gut sortierten Supermarkt machten wir noch ein paar Besorgungen für die nächsten Tage. Danach ging es mitsamt Fotoausrüstung zurück zum Auto. Da noch Zeit bis zum Start der ersten Fotosession bei den Hides de El Taray blieb, steuerten wir zunächst einen öffentlichen Beobachtungspunkt an einer Lagune an. Hier waren sogar Flamingos zu sehen.

Eine öffentliche Beobachtungshütte

Danach ging es dann weiter zum riesigen Gelände der Hides de El Taray. Treffpunkt vor den eigentlichen Fotosessions war ein altes Gehöft mit Unterstellmöglichkeiten für Fahrzeuge, Lagermöglichkeiten für Vogelfutter und weitere Ausrüstung, die je nach Hide benötigt wurde (Gummistiefel, Trockenanzüge etc.). Vom Gehöft aus wurde man dann mit kleinen SUVs zu den eigentlichen Beobachtungspunkten gefahren.

Das zu den Hides de El Taray gehörende Gehöft als Ausgangspunkt für die Fotosessions

An diesem Abend wollten wir auf Blauracken ansitzen. Das Fotoversteck bot Raum für zwei Personen. Stehen konnte man darin nicht, aber es gab zwei Stühle, so dass man es sich für die nächsten Stunden bequem machen konnte. Als eisernes Gesetz gilt, dass das Versteck bis zum Ende der Session nicht verlassen werden darf, da man damit die Vögel vertreiben und das Erlebnis für Fotografenkollegen in benachbarten Verstecken verderben könnte. Daher sollte man vor dem Ansitz unbedingt die Blase entleeren. Für den Notfall gab es zwar Plastikbehältnisse in einem Holzschränkchen, aber was nicht sein muss, muss nicht sein.

Man schaut durch eine Glasscheibe auf das Geschehen vor der Hütte. Ein Tarnnetz hinter der Scheibe mit Aussparungen für die Objektive lässt die Konturen der Fotografen verschwimmen. Damit ist man vor Witterungseinflüssen geschützt, und die Vögel nehmen die Fotografen weniger wahr. Dies bedeutet zwar einen gewissen Lichtverlust, dieser ist jedoch nicht stark ausgeprägt. Einen Gimbal und ein solides Dreibeinstativ sollte man unbedingt mitbringen, denn es ist aussichtslos, im richtigen Moment das schwere Teleobjektiv hochzureissen, anzuvisieren und auszulösen. Mit Stativ und Gimbal ist man einige Sorgen los. Ein Telezoomobjektiv ist das Mittel der Wahl (ich hatte mein 200-600mm dabei), um flexibel auf unterschiedliche Aufnahmesituationen reagieren zu können.

Vor den Hides ist immer irgendeine Form von Attraktionspunkt für die Vögel - ein Ast, ein Baumstumpf oder dergleichen. Dort wird - je nach Vogelart - vom Betreiber Futter in Form von Würmern, Körnern oder Hähnchenfleisch ausgelegt. Sobald das Futter drapiert ist, fährt der Mitarbeiter von El Taray weg, und die Fotografen bleiben im Versteck zurück.

Warten auf Motive im Versteck

Der leicht erhöhte Ansitz für die Blauracken

Der Hide ist insbesondere auf Blauracken ausgerichtet. Diese ließen sich auch blicken und flogen die Futterstelle von einem weiter entfernten, hoch gelegenen Ansitz aus an. Die durch die Bewölkung wechselnden Lichtverhältnisse machten das Fotografieren der anfliegenden Vögel nicht gerade leicht. Für etwas Abwechslung sorgten ein Wiedehopf und Einfarbstare.

Wiedehopf

Blauracken

Mit schwindendem Licht endete die Session dann gegen 20:20 Uhr - alles gar nicht so einfach. An die Gimbalbedienung und die Versteckbedingungen musste ich mich zuerst gewöhnen. Zum Abschluss gab es noch einen schönen Sonnenuntergang an der Laguna de Peña Hueca.

Laguna de Peña Hueca

Für das leibliche Wohl wurde auch noch gesorgt; wir kehrten bei Carlito'ss bar ein - es sollte nicht der letzte Besuch dort sein.

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El Taray ‘26 - Teil 1: Vogelfotografie in Spanien