El Taray ‘26 - Teil 3: Vielfalt ist Programm
Zunächst ein kurzer Überblick über einen typischen Tagesablauf im Mai, wenn man die Hides in El Taray besucht:
05:40 Uhr Frühstück
06:00 Uhr Abfahrt vom Hotel nach El Taray
06:30 Uhr Ankunft in El Taray und Transfer zum Hide
07:00 Uhr Bezug des Hides, Auslegen des Futters
11:00 Uhr Ende der Sitzung (je nach Aktivität) und Rücktransfer zum Gehöft
11:30 Uhr Rückfahrt zum Hotel
13:15 Uhr Mittagessen, danach wohlverdiente Siesta
16:30 Uhr Abfahrt zur Nachmittagssitzung
17:00 Uhr Ankunft in El Taray und Transfer zum Hide
17:30 Uhr Bezug des Hides, Auslegen des Futters
20:30 Uhr Ende der Sitzung (je nach Aktivität) und Rücktransfer zum Gehöft
21:00 Uhr Rückfahrt zum Hotel
21:30 Uhr Abendessen
Wer im besten Licht fotografieren möchte, muss früh aufstehen und kommt abends spät ins Bett. Das sich unwillkürlich einstellende Schlafdefizit kann aber durch die Siesta ein wenig ausgeglichen werden. Das frühe Aufstehen lohnt sich - auch dann, wenn kein Foto so recht gelingen möchte.
Wie verhielt es sich nun am ersten vollen Tag in El Taray?
Die Frühstücksleistung im Hostal Prickly ist überschaubar. Man bekommt einen Kaffee oder Tee - serviert vom Hotelchef persönlich. Zum Essen gibt es leider nur in Folie abgepackte Croissants und ähnliche Backwaren, wie man sie aus dem Supermarkt kennt. Aber lebt der Fotograf nicht vom Licht?
Ebensolches zog uns dann heraus aus dem Hotel hinein ins Auto auf die Straße Richtung El Taray. Auf dem Gelände von El Taray mussten wir auf dem Weg zum Gehöft immer fürchterlich aufpassen, dass wir keines der zahlreichen Karnickel erwischten. Olivenbäume, Getreide und Wein säumten die Strecke - der mediterrane Dreiklang.
Wechsel des Schuhwerks
Am Gehöft angekommen, stand erst einmal das Anziehen von Gummistiefeln an. Der morgendliche Hide war den Rohrweihen gewidmet, und das letzte Stück sollte etwas matschig sein.
Angekommen am Hide
Der Transfer mit dem SUV dauerte nicht lange. Auf dem Weg hatten wir sogar das Glück, mehrere Schlangenadler zu sehen. Christophs Sachverstand wies mich auf die Sichtung hin, denn ich hatte meine liebe Not, die Greifvogelarten auseinanderzuhalten. Das letzte Stück war gar nicht so matschig, so dass wir eines der drei Fotoverstecke bald beziehen konnten. Ich hätte mir den Luxus einer eigenen Kabine gönnen können (denn wir waren die einzigen Gäste bei den Rohrweihen), doch wer vogelkundlich und fotografisch etwas lernen möchte, teilt sich einen Hide mit Christoph. So hielt ich es auch für den Rest der Reise.
Rechts im Bild sieht man einen per Powerbank betriebenen Lüfter, der während der ersten Minuten im Hide verhindert, dass die Scheibe beschlägt.
Die drei Hides bei den Rohrweihen von außen. El Taray produziert die Fotohütten selbst.
Nach dem Auslegen des Futters dauerte es nicht lange, bis sich die ersten Rohrweihen blicken ließen. Es mangelte wirklich nicht an Motiven. So allmählich fand ich mich auch in die Bedienung des Gimbals ein, den ich während der Reise sehr schätzen lernte. Das einzige, was uns an diesem Vormittag fehlte, war das passende Licht. Es wollte nicht so richtig hell werden. Einige wenige Momente mit warmem Licht konnten wir abpassen. Als Störenfriede entpuppten sich Elstern, die diese Rolle auch bei den anderen Hides perfekt ausfüllten.
Frühmorgens passte das Licht noch. Eine Rohrweihe im Vorbeiflug.
Aus meiner Sicht der Moment mit dem besten Licht kombiniert mit einer sehr geduldigen Rohrweihe
Eine Grauammer
ISO 16.000 - das beschreibt die Lichtverhältnisse ganz gut. Entrauschen hilft.
Trotz der überwiegend bescheidenen Lichtverhältnisse war es spannend, dem Treiben vor dem Hide zuzuschauen. Naturgemäß war die Fotoausbeute auch nicht riesig, aber wir hatten schließlich noch einen Nachmittag vor uns. Gegen 11:00 Uhr wurden wir wieder eingesammelt und zum Gehöft zurückgefahren. Zurück in Villacañas gönnten wir uns eine Mittagspause. Für 16€ bekommt man ein schmackhaftes Tagesgericht inklusive Getränk - das war ein gesundes Preis-/Leistungsverhältnis. Christoph kennt die passenden Anlaufstellen im Ort. Bis zur Nachmittagssitzung blieb noch genug Zeit, um eine Siesta zu halten - eine Wohltat nach dem frühen Aufstehen!
Am Nachmittag standen Wiedehopf und Steinkauz auf dem Programm - neuer Hide, neues Glück! Und tatsächlich zeigte sich das Wetter deutlich freundlicher, auch wenn es während unser Sitzung einmal regnen sollte. Der Tag konnte seinen April-Touch nicht ganz ablegen.
Das Gehöft in strahlendem Sonnenschein
Die Szenerie vor dem Hide
Vogelwelt und Wettergott hatten sich am Nachmittag gut abgestimmt; neben Wiedehopf und Steinkauz erschienen auch Dohlen und Einfarbstare. Ab und zu erschien auch eine Rohrweihe drohend am Himmel. Am Boden tummelte sich die allgegenwärtige Kaninchenplage. Ein kurzer Schauer zauberte nicht nur einen Regenbogen an den Himmel, sondern veränderte für kurze Zeit auch die “Hackordnung” vor dem Hide. Ein Wiedehopf nutzte seine Chance und langte bei den ausgelegten Würmern ordentlich zu. Der drollige Steinkauz trotzte dem Regen. Ohne den Schauer hätten einige Bilder so nicht entstehen können.
Unbekümmert - der Steinkauz
Der Wiedehopf entpuppte sich als Akrobat.
Dohle im besten Licht
Um kurz vor 21:00 Uhr beendeten wir den spannenden Nachmittag - die Hütten fingen auch schon an, Schatten auf die Szenerie zu werfen.
Ein spätes Abendessen nahmen wir bei Carlito'ss bar ein - der passende Abschluss für diesen abwechslungsreichen Tag. Christoph half auch hier wieder mit seinen Spanischkenntnissen; insbesondere bei der Speisekarte.
Vogel vor der Kamera, Vogel auf dem Teller - ein Hähnchenburger. Der Grünstich ist den Beleuchtungsverhältnissen geschuldet.