El Taray ‘26 - Teil 4: Von Rötelfalken, Rohrweihen und einem unfreiwilligen Mitfahrer

Für den heutigen Tag waren wieder zwei Hides geplant. Am Vormittag war ein Besuch bei den Rötelfalken vorgesehen. Am Nachmittag standen noch einmal Rohrweihen auf dem Programm - diesmal aber sollten wir sie aus einem anderen Hide beobachten.

Gegen 07:20 erreichten wir ein kleines, verlassenes Gemäuer, unter dessen Dachziegeln es sich unter anderem Rötelfalken gemütlich gemacht hatten. Der Hide war insofern besonders, als hier kein Anfüttern der Vögel nötig war. Zudem stand das Fotoversteck etwa 2,50 m über dem Boden, damit die Fotografen ungefähr auf Augenhöhe mit den auf dem Dach stolzierenden Vögeln waren. Für den Einstieg in den Hide wurde daher eigens eine Leiter mitgenommen.

Auch bei diesem besonderen Hide waren wir wieder die einzigen Nutzer; der zweite Hide blieb leer.

Nachdem wir den Hide bezogen hatten, hatten wir erst einmal mit einer beschlagenen Scheibe zu kämpfen. Man hatte uns aber genug Tücher mitgegeben, um die Scheibe zu reinigen.

Exklusiver Blick auf das direkt vor dem Hide liegende Dach

Falls jemand mal müssen muss, stehen in jedem Hide diese Plastikbehälter in einem kleinen Holzschrank.

Die Rötelfalken ließen nicht lange auf sich warten. Als Höhepunkt konnten wir sogar mehrere Paarungen beobachten. Doch nicht nur Rötelfalken bevölkerten das Dach und seine Umgebung. Wir sahen die seltene Hohltaube, Blauracken und Dohlen. Dabei hatten wir bestes Licht und waren sehr nah an den Vögeln dran. Irgendetwas war immer auf dem Dach los. Gefangene Beute wurde verzehrt, Nistmaterial herangeschleppt, es wurde unter die Dachziegel gekrochen oder mit dem Nachbarn gestritten - rundum ein sehr gelungener Vormittag!

Des Rötelfalken fette Beute

Gefiederpflege

Paarung an exponierter Stelle

Aus die Maus

Zwei Blauracken - geschiedene Leute?

Wir blieben bis etwa 11:00 Uhr im Hide. Gegen 13:15 Uhr gönnten wir uns dann eine Mittagspause im Restaurante Montes. Der Mittagstisch für 16€ war zum einen günstig, zum anderen überraschte die Vielfalt der Gerichte, aus denen man wählen konnte. Zu allem Überfluss schmeckte es auch noch vorzüglich.

Auch in diesem Fall war ich Christoph wieder für seine Übersetzungen dankbar.

Nach der Siesta fuhren wir um 16:30 Uhr wieder in Richtung El Taray. Das Besondere an diesem Hide für die Rohrweihen war, dass die Hütten auf Pfählen im Wasser standen. Vor den Hütten hatte man weitere Pfähle im flachen Wasser angebracht, die als Futterplatz dienten. Die Anreise war daher auch speziell: der El-Taray-Mitarbeiter schob uns in einem Boot durch das flache Wasser. Auf meine Bemerkung, dass Spanien eine alte Seefahrernation sei und daher mit dem Boot nichts schiefgehen könne, sagte der Mitarbeiter mit einem Grinsen, dass die Spanier diesen Teil der Vergangenheit längst vergessen hätten. Wir kamen trotzdem ohne zu kentern am Hide an.

Wahrlich ein besonderer Hide. Auch in diesem Fall blieb die zweite Hütte leer.

Ein Hide mit großer Scheibe und - wie immer - mit Reinigungsservice.

Bei ruhigem Wasser spiegeln sich die Vögel in der Wasseroberfläche, nur machte uns der Wind einen Strich durch die Rechnung. Auch zeigte sich der Himmel am Nachmittag leider bewölkt, doch erlebten wir genau zur rechten Zeit ein paar Aufhellungen. Nach Auslegen des Fleisches mussten wir nicht lange auf die Rohrweihen warten. Sie sondierten zunächst das Gelände, bevor sie sich auf den Pfählen mit dem Fleisch niederließen. Es ergaben sich viele Möglichkeiten, die Greifvögel während des An- und Abfluges zu fotografieren. Mit der Gimbalunterstützung machte das richtig Spaß. Natürlich ließen sich auch die üblichen Querulanten blicken - Elstern hatten auch diesen Hide auf der Liste.

Rohrweihe kurz vor der Landung

Diese Rohrweihe kam uns sehr nah.

Sieht aus wie ein fliegendes €-Zeichen - eine Rohrweihe im Kurvenflug.

Rückfahrt im Boot

Ein beeindruckender Nachmittag! Als wir den Hide gegen 20:30 Uhr verließen, war der Tag jedoch noch lange nicht gelaufen. Am nächsten Vormittag stand uns ein spezieller Einsatz in einem schwimmenden Versteck (“floating hide”) bevor. Dazu waren noch einige Vorbereitungen auf dem Gehöft zu erledigen.

Duschen und Trockenanzüge für den Ausflug in die Lagune

Trockenanzüge - trocken, aber nicht warm, wie wir feststellen mussten

Die Dusche würde am nächsten Tag eine Wohltat bedeuten.

Die für den nächsten Tag auf einem Anhänger verladenen Schwimmverstecke. Die Sitzflächen auf dem Anhänger würden wir für die Rückfahrt von der Lagune zum Gehöft nutzen, um mit unseren Trockenanzügen das Auto nicht zu verdrecken.

Die “floating hides” sind - wie im Bild zu sehen - U-förmige Konstruktionen mit einer Aussparung für den Fotografen und einem Gewindestummel für den Gimbal. Das Camouflage-Verdeck zieht man über den Kopf. Neben dem Gewindestummel gibt es etwas Ablagefläche für wasserdichte Dosen mit Ersatzbatterien, Speicherkarten etc.

Vor dem Abendessen haben wir noch einmal bei der Laguna de Peña Hueca Halt gemacht, die auf dem Rückweg zur Straße nach Villacañas liegt. Kurz vor Sonnenuntergang wollten wir hier zur Abwechslung einmal Landschaftsaufnahmen machen. Nach dem Objektivwechsel auf das Standardzoom habe ich noch einmal einen Blick zurück Richtung Auto geworfen - und traute meinen Augen nicht. Unter dem Auto zappelte etwas. Bei näherer Betrachtung handelte es sich um einen Jungvogel, der sich irgendwie im Bereich der hinteren Radaufhängung verfangen hatte.

Wie bist Du bloß dahin gekommen?

Der nicht weniger erstaunte Christoph hat den Vogel dann befreit. Nach längerem Überlegen sind wir das kurze Stück zum Gehöft zurückgefahren und haben ihn dort ausgesetzt - so, dass die Hofkatze ihn nicht direkt auf dem Radar hatte. Auf dem Weg nach Villacañas haben wir dann fleißig spekuliert, wie das wohl geschehen konnte. Am Ende hatten wir uns auf diese Theorie geeinigt: es musste sich um einen jungen Star handeln, der offenbar im Fahrzeugunterstand des Gehöfts aus dem Nest gefallen war. Dort parkten wir nämlich das Auto, und tatsächlich nisteten dort Heerscharen von Staren. Wie er sich dann unter dem Auto verfangen und es lebend bis zu unserem Halt an der Lagune geschafft haben konnte, blieb ein Rätsel. Jedenfalls waren wir froh, den Vogel überhaupt entdeckt zu haben - ohne zu wissen, ob unser Rettungsversuch von Erfolg gekrönt war. Nach der ganzen Aufregung blieb nur noch ein spätes Abendessen.

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El Taray ‘26 - Teil 5: Von trockenen Anzügen und kalten Lagunen

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