El Taray ‘26 - Teil 5: Von trockenen Anzügen und kalten Lagunen
Heute ging es am Vormittag mit dem “floating hide” in die Laguna de El Taray und am Nachmittag im Tarnzelt an einen kleinen See direkt hinter dem Gehöft. Beide Aktivitäten erforderten kein Anfüttern der Vögel.
Bei dem Lagunenabenteuer habe ich Vorsicht walten lassen und mein Smartphone in Sicherheit gebracht - deshalb hält sich die Zahl der “Making of”-Fotos sehr in Grenzen. Aufgrund der notwendigen Vorbereitungen wie dem Anlegen des Trockenanzuges waren wir wieder sehr zeitig in El Taray. Um 6:30 Uhr begannen wir damit, uns “seetauglich” zu machen.
Da wir uns etwa vier Stunden im kalten Wasser der Lagune aufhalten würden, wurde uns das Anlegen einer Inkontinenzunterhose empfohlen. Denn ähnlich wie bei den “normalen” Hides konnte man hier erst recht nicht mal eben die Lagune verlassen (wenn man denn den Eingang wiederfand), ohne unsere Motive aufzuscheuchen. Ich folgte dem Vorschlag.
Weder Christoph noch ich hatten Erfahrungen mit dieser Art Abenteuer. Auf der Webseite von Hides de El Taray wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Neoprenanzüge für die Lagunengänge verwendet werden. Diese halten trocken und warm. Zur Verfügung gestellt wurden uns allerdings Trockenanzüge (Größe 2XL), die nur trocken halten, aber nicht warm. Für einen frischen Maimorgen mit entsprechend kaltem Lagunenwasser waren Trockenanzüge ohne wärmendes Fleece zum Unterziehen definitiv nicht die richtige Ausrüstung. Für mich endete das ganze in einer vermeidbaren Erkältung. Der Fehler lag aber eindeutig nicht bei Christoph, sondern bei Hides de El Taray. Das war allerdings auch der einzige Fehler, der während des gesamten Aufenthalts in El Taray gemacht wurde.
Sinnvolles Kleidungsstück für den Fall der Fälle - im kalten Wasser ist ein gewisser Harndrang über mehrere Stunden kaum zu vermeiden.
In den Trockenanzug muss man rein - und wieder raus.
Das Hineinschlüpfen in den Trockenanzug hat eine Weile gedauert. Dann haben wir unsere Ausrüstung in den Kofferraum verfrachtet und sind samt Anhänger mit den “floating hides” zur Lagune gefahren. Uns wurden wasserdichte Boxen für Zubehör ausgehändigt, die man im Schwimmversteck verstauen konnte. Ich habe nur meine Kamera mit Telezoom und Batteriegriff mitgenommen. Der Batteriegriff beinhaltet zwei Akkus, und die beiden Speicherkarten sollten auch reichen. Die restliche Ausrüstung verblieb im Kofferraum des kleinen SUVs. Das klingt zwar unsicher, war es aber nicht. Das Auto stand mitten in der Pampa an einer Lagune auf Privatgelände - weit entfernt von öffentlichen Straßen.
Aufgrund der Größe der Lagune kam ein El-Taray-Mitarbeiter mit ins Wasser. Obwohl der Ausgang aus der Lagune markiert war, hätten wir diesen vermutlich so schnell nicht gefunden. Zudem konnten wir so von seiner Erfahrung profitieren, denn er ist selbst auch passionierter Fotograf. Zunächst wurden die Schwimmplattformen am Lagunenufer abgelegt und der Gimbal samt Kamera montiert. Dann ging es mit der Plattform auf Knien ins seichte Wasser, und das Camouflage-Verdeck wurde hochgeklappt. Die Lagune war zu diesem Zeitpunkt nicht sehr tief, so dass wir uns auch an der tiefsten Stelle in der Hocke durch das Wasser bewegten. Das ging sogar recht gut. Allerdings war auch die Kälte des Wassers sofort präsent. Da man sich ja auch nur langsam bewegte, um die Wasservögel nicht misstrauisch zu machen, wurde mir auch nicht warm.
Damit sich die Wasservögel an die “floating hides” gewöhnen, sind zwei davon fest in der Lagune installiert. Es hat eine Weile gedauert, bis wir relativ nah an die Motive herangekommen sind. Die Liste der Sichtungen ist ganz beachtlich:
Haubentaucher
Zwergtaucher
Schwarzhalstaucher
Weißkopf-Ruderente (recht selten, mit markantem blauen Schnabel)
Tafelente
Rohrweihen
Unser Glück war, dass das Wetter sonnig war und sich kaum ein Lüftchen regte. Der El-Taray-Mitarbeiter hat uns ein Video von weniger günstigen Bedingungen aus seinem Hide in der gleichen Woche gezeigt. Der Wind schob das Wasser durch die Lagune, so dass es über die Schwimmplattform schwappte und drohte, die Kamera dem Wasser auszusetzen.
Schwarzhalstaucher
Tafelente
Zwergtaucher
Weißkopf-Ruderente
Das “floating hide” des El-Taray-Mitarbeiters - deutlich professioneller als die an die Kundschaft ausgehändigten Hides.
Trotz der vielen schönen Sichtungen war ich dann doch froh, nach vier Stunden der Kälte im Trockenanzug und dem Harndrang entfliehen zu können. Eine Stange am Ufer wies den Weg zum Ausgang. Nach dem Demontieren der Kameras kamen die Hides wieder auf den Anhänger. Christoph und ich setzten uns auf die dafür vorgesehene Bank des Anhängers und ließen uns vom SUV langsam durch die Felder ziehen. Der El-Taray-Mitarbeiter scherzte, er würde nicht schneller als 120 km/h fahren. Tatsächlich ging es natürlich deutlich gemächlicher über die Feldwege, da der Anhänger keine Federung hatte und man jeden größeren Stein spürte. Wieder am Gehöft angekommen, wurden wir in unseren Trockenzügen erst einmal mit dem Schlauch abgespritzt, um Algen & Co. zu entfernen. Danach schälte ich mich wieder aus dem Anzug heraus und genoß eine warme Dusche.
Danach verabschiedeten wir uns bis zum späten Nachmittag - immerhin hatten wir keine Kamera in der Lagune versenkt!
Ansitzen auf Limikolen im Tarnzelt
Die zahlreichen Öffnungen des Tarnzeltes erlaubten auch bodennahe Aufnahmen.
Im Gegensatz zum Vormittag war der Nachmittag geradezu unspektakulär. Die Hides bestanden aus zwei Tarnzelten, die an einem fußläufig vom Gehöft liegenden, kleinen See standen. Hier hatten wir es auf Limikolen abgesehen. Zum Anvisieren nutzte ich nicht den Sucher, sondern den Monitor der Kamera. So wurden niedrige Aufnahmeperspektiven ohne Verrenkungen möglich. Das Wetter war bei weitem nicht so freundlich wie am Vormittag. Trotzdem sahen wir zum Beispiel einen brütenden Stelzenläufer, Stockenten und Sandregenpfeifer.
Sandregenpfeifer
Brütender Stelzenläufer
Gegen 22:30 Uhr hatten wir dann bei Carlito’ss bar das Essen auf dem Tisch stehen. Ein weiterer abwechslungsreicher Tag neigte sich dem Ende zu - und eine Erkältung nahm ihren Anfang …